Der Zinsgroschen

Ein außergewöhnliches Kunstwerk aus dem Frühbarock wird derzeit im Auftrag des Würzburger Museums am Dom restauriert. Das Gemälde „Der Zinsgroschen“, entstanden wohl im Zeitraum zwischen 1608 und 1615, wird dem flämischen Maler Otto van Veen (1556-1629) zugeschrieben. Veen gilt als der bedeutendste Lehrer von Peter Paul Rubens. „Es handelt sich um eine sehr qualitätvolle künstlerische Arbeit“, erklärt Christoph Deuter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kunstreferats der Diözese Würzburg. Allerdings sei die „wunderbare Qualität der Gesichter“ durch die Verschmutzungen kaum mehr zu erkennen, sagt Diplom-Restauratorin Gudrun Hanika. Sie restauriert das 1,73 auf 2,52 Meter große Gemälde in ihrer Werkstatt in Thüngersheim. Voraussichtlich ab Advent 2020 soll es in der neu gestalteten Dauerausstellung des Museums am Dom ausgestellt werden. Die Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt die rund 25.000 Euro teure Restaurierung im Rahmen ihrer Corona-Förderlinie mit 50 Prozent.

Gudrun Hanika vor dem Gemälde „Der Zinsgroschen“
Gudrun Hanika vor dem Gemälde „Der Zinsgroschen“

Mit Hilfe einer speziellen UV-Lampe betrachtet Hanika die Gesichter und Hände auf dem Ölgemälde. „Als erstes ist mir aufgefallen, dass die wunderbare Qualität der Gesichter gar nicht mehr zu erkennen ist. Da ist sehr viel Schmutz, Übermalungen und Überarbeitungen zu sehen.“ Sie weist auf dunkle Flecken im fluoreszierenden Licht – hier wurden Stellen übermalt. Auch mit bloßem Auge zu sehen ist ein großer, heller Fleck auf Jesu Gewand oberhalb des Knies. Hanika prüft zudem, wie fest die Malschicht ist und ob es Abhebungen gibt. Das Bild sei mehrmals überarbeitet worden, vermutet sie. „Übermalungen haben meistens einen Grund. Es ist mit Vorsicht zu genießen, sie zu entfernen. Sie lassen sich meist nur schwer lösen, und darunter ist viel kaputt.“ Zudem habe sich das Bild im Laufe der Jahrhunderte regelrecht „ausgeleiert“, wie eine deutlich sichtbare Wölbung am unteren Rand zeigt. Bei der Restaurierung werden unter anderem Schmutz und Übermalschichten entfernt, teilweise auch der Firnis. „Es ist sinnvoll, möglichst wenig daran zu machen, weil alles eine Belastung für das Bild ist“, erklärt die Restauratorin. Es sei ihre Berufung, „die Objekte in ihrer eigenen Schönheit zur Geltung zu bringen. Ich restauriere seit mehr als 30 Jahren, und es wird nicht langweilig. Jedes Bild ist individuell.“

Die Suche nach der Herkunft des Gemäldes ist Detektivarbeit. Das Bild ist erst seit zwei Monaten im Besitz der Kunstsammlung der Diözese. Es stammt aus dem Kloster der Elisabethinerinnen in Bad Kissingen, das zum 1. März 2020 aufgelöst wurde. Nach Unterlagen des Klosters war es ein Geschenk von Pfarrer Alois Schölzel aus Berlin und kam 1960 in den Besitz des Klosters. Schölzels Schwester Anna war Schwester der Kongregation. Durch eine Inschrift auf dem Keilrahmen konnte als Vorbesitzer August Vaerewijck oder Vaerewyck aus der Langen Leemstraat in Antwerpen identifiziert werden, erklärt Deuter. Auf dem Rahmen habe man zudem eine Datumsangabe gefunden, die auf eine Restaurierung im Jahr 1917 hindeute. Zwar sei auch ein Schild mit dem Namen des Malers und dem Bildtitel angebracht gewesen, erzählt Deuter. Doch könne das Schild auch bei dieser Restaurierung angebracht worden sein. Der Kunsthistoriker Justus Müller Hofstede habe in seiner Forschungsarbeit über van Veen aus dem Jahr 1959 alle bis dahin bekannten und zugeschriebenen wie auch die urkundlich fassbaren Werke des Malers aufgelistet. „Ein ,Zinsgroschen‘ findet dabei keinerlei Erwähnung. Wir müssen recherchieren“, sagt Deuter. Ob das Bild nur zugeschrieben worden sei oder ob sich vielleicht eine Signatur auf dem Bild finden lasse, könne eventuell die Restaurierung klären.

Auch wenn die Zuschreibung zu van Veen noch nicht sicher geklärt werden konnte: „Es handelt sich um eine sehr qualitätvolle künstlerische Arbeit, die durch eine Restaurierung sehr gewinnen wird.“ In der Dauerausstellung werde das Gemälde eines der „frühbarocken Highlights“ sein. Davon ließ sich auch die Ernst von Siemens Kunststiftung überzeugen. Im Rahmen ihrer Corona-Sonderförderung sagte sie dem Museum zu, 50 Prozent der Restaurierungskosten von insgesamt rund 25.000 Euro zu übernehmen. Damit soll laut Homepage auch die Arbeit der Freiberufler in öffentlichen Museen unterstützt werden. Weitere 30 Prozent hat die Unterfränkische Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken in Aussicht gestellt, den Rest trägt die Stiftung Kunstsammlung.

Foto: © Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)/ aus: © Pressestelle Ordinariat Würzburg (POW), Aktuelle Nachrichten aus der Diözese, veröffentlicht 27.5.2020 / Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

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