Gemeinsam geht es besser

Jeder kann sich mit dem identifizieren, was die anderen machen. Und alle machen etwas völlig Unterschiedliches. Eben deshalb klappt es so gut mit dem Miteinander, sagen Gudrun Hanika, Nicole Schelbert, Martina Felsmann und Werner Hägele. Im Herbst 2018 taten sich die vier Kreativen zur Gruppe „Kunst, Handwerk und Genuss in Thüngersheim“ zusammen. „Wir wollen auf diese Weise Kräfte bündeln“, erklärt Fotokünstler Werner Hägele.

Kunst, Handwerk und Genuss in Thüngersheim: Gudrun Hanika, Nicole Schelbert, Martina Felsmann und Werner Hägele
Unter dem Motto “Kunst, Handwerk und Genuss in Thüngersheim“ taten sich (von links) Restauratorin Gudrun Hanika, Nicole Schelbert, Martina Felsmann und Werner Hägele zusammen.
Foto: Pat Christ

Ein Künstler ist normalerweise sehr gern sein eigener Herr. Er möchte möglichst von niemandem abhängig sein. Will sich nicht dreinreden und einengen lassen. Möchte sich nicht ein- und unterordnen müssen. Das hat viel für sich. Bedeutet allerdings auch Einzelkämpferdasein und ist sehr anstrengend. Die vier Thüngersheimer Kreativen sind bereit, sich miteinander zu arrangieren. Was sie bisher auch noch nie als Einschränkung empfunden haben. Die vier verstehen sich gut. Und haben gemeinsame Interessen, die weit über das Künstlerische hinausgehen. „Wenn einer was braucht, zum Beispiel für den Garten, leiht er es sich vom anderen aus“, sagt Hanika.
Im Juli trat die Gruppe gemeinsam beim Thüngersheimer Höfefest auf, zweimal schon präsentierte sich das Quartett beim Kulturherbst des Landkreises. Aktuell entsteht in Thüngersheimn ein Kalender für die örtliche Bevölkerung, in dem ein Blatt ebenfalls der Gruppe gewidmet ist. Die vier erregen Aufsehen, weil sie einander durch ganz unterschiedliche Talente ergänzen. In Nicole Schelberts Töpferwerkstatt entsteht Keramik mit effektiven Mikroorganismen. Werner Hägele kreiert hyperrealistische Fotografie hinter Glas. Gudrun Hanika restauriert Gemälde und Skulpturen. Küchenkünstlerin Martina Felsmann bereitet Köstlichkeiten wie Chutneys und Grillsaucen zu.
Werner Hägele, der ursprünglich das Gewerbe des Bäckers erlernt hat, beobachtet mit großem Interesse, was Martina Felsmann in ihrer Küche Leckeres zubereitet. Gudrun Hanika findet es spannend, von Nicole Schelbert zu erfahren, was es mit „Effektiven Mikroorganismen“ auf sich hat. Auch findet sie die großformatigen Fotos von Werner Hägele beeindruckend: „Inzwischen besitze ich drei Werke.“ Sich von anderen Kreativen inspirieren zu lassen, ist für Hanika einfach schön. Konkurrenzdenken hingegen kennt sie nicht: „Ich fände es nicht einmal schlimm, wenn noch ein anderer Restaurator in unserer Gruppe wäre.“

Die Kunst und die Menschen

Gudrun Hanika knüpft grundsätzlich gern Kontakte. Sie liebt es, Kunstwerke zu restaurieren, möchte aber keinesfalls die zwischenmenschlichen Beziehungen rund um die Restaurierungsarbeit missen. Deshalb mag sie Privatkunden: „Die Menschen sind oft eine ganze Stunde bei mir in der Werkstatt und erzählen mir alles Mögliche aus ihrem Leben.“ Das geht in vielen Fällen weit über das zu restaurierende Kunstwerk hinaus. Hanika hört gern zu. Lässt sich gern auf andere Schicksale, andere Sichten und andere Erlebniswelten ein. Das empfindet die diplomierte Restauratorin als bereichernd.

Bei Hanika liegt der berufliche Fokus ausschließlich auf der Kunst. Das ist bei den anderen nicht so. Werner Hägele arbeitet im Hauptberuf als Dozent an der Würzburger Fachschule für Heilerziehungspflege. Seine Fotokunstwerke stellt er in der Freizeit her. Nicole Schelbert ist gelernte Erzieherin. Ihre Keramikwerkstatt gründete sie vor zehn Jahren als Ich-AG. Ihren kompletten Lebensunterhalt, gibt sie zu, könnte sie damit nicht bestreiten. Martina Felsmann, diplomierte Geografin, arbeitete lange als Personalleiterin. Dann kamen Zwillinge auf die Welt. Sie gründete ein Kleingewerbe, um ihre Blütengelees, süßen Brotaufstriche, Chutneys und Sirups vertreiben zu können.
„Solidarität“ ist für die vier Kreativen kein Lippenbekenntnis. Sie verstehen sich auch nicht als eine reine Zweckgemeinschaft, um die Lukrativität dessen, was jeder und jede für sich tut, zu steigern. Die vier lassen einander gelten. Und unterstützen sich. Wobei jeder und jede unbenommen zusätzlich sein eigenes Ding machen darf und soll. So wird Werner Hägele nächstes Jahr im Sommer eine Ausstellung zum Thema „Kiliani“ im Würzburger Rathaus haben: „Ich präsentiere mich alleine, werde aber Flyer unserer Gruppe auslegen.“

Einen festen Plan für ihr „Wir“ haben die vier nicht entworfen. Es gibt auch keine regelmäßigen Treffen, so Hägele: „Wir setzen uns je nach Bedarf zusammen.“ Weil es keine Statuten, keine festgelegten Ziele, keine Hierarchien und keine Vorschriften gibt, fühlt sich niemand gegängelt und niemand eingeschränkt. Alle vier sind im Gegenteil neugierig, was im Miteinander, oft spontan, so alles entsteht. Das „Wir“ funktioniert also völlig entspannt. Bestes Beispiel ist heute. Wo man sich in Schelberts Keramikwerkstatt „Natur-in-Ton“ zu lockeren Gesprächen bei einer Tasse Tee trifft. Eingeschenkt aus einer Keramikkanne mit effektiven Mikroorganismen. Pat Christ

Foto: © Pat Christ | aus: Der Kessener 5/2019 S. 15 | Pat Christ

Zu uns 4 Thüngersheimern Kreativen gibt es auch einen Bericht auf der Thüngersheimer Gemeindeseite: Gruppe „Kunst, Handwerk und Genuss in Thüngersheim”